Handelsaussetzungen der SEC im Cannabis-Sektor

Handelsaussetzungen

Heute möchte ich mich nicht den einzelnen Aktien selbst widmen, sondern dem Thema Aussetzungen. Wie bereits in anderen Artikeln erwähnt, wurden seit Anfang des Jahres mehrere Cannabis-Titel von der SEC vom Handel suspendiert. Diese waren regelrecht „Killerereignisse” für den gesamten Marihuana-Sektor – viele nicht davon betroffene Firmen wurden in diesem Zuge abgestraft und in Sippenhaft genommen. Nachfolgend eine Aufstellung der bisher vorgenommenen Aussetzungen der SEC und der Einfluss dieser auf den Gesamtmarkt, dargestellt anhand des unten stehenden Charts:

 

Ausgesetzes Unternehmen Zeitraum SEC-Begründung
Aventura 05.03.2014-18.03.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-71647-o.pdf
Petrotech Oil & Gas 14.03.204-27.03.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-71723-o.pdf
Citadel 21.03.2014-03.04.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-71762.pdf
Advanced Cannabis Solutions 27.03.2014-09.04.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-71814.pdf
GrowLife 10.04.2014-24.04.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-71924.pdf
CannaBusinessGroup 07.05.2014-20.05.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-72113.pdf
FusonPharm 16.05.2014-30.05.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-72177-o.pdf
Alt. Energy Partners / SK3 Group 06.06.2014-19.06.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-72337-o.pdf
 
Wer überprüfen möchte ob oder warum sein Titel vom Handel ausgesetzt  ist bzw. wurde wird auf der Seite der Finra schnell fündig: http://otce.finra.org/TradeHaltsCurrent
Hier auf der Seite der S.E.C. findet man alle historischen Aussetzungen seit 1995

Die Aussetzungen werfen nachhaltig ein schlechtes Licht auf die noch junge Branche und verunsichern (zu Recht) die Anlegerschaft in diesem Markt. Aus diesem Grund möchte ich mich intensiver diesem Thema widmen.

Bei Trading Halts oder Suspensions muss man grundlegend unterscheiden, wer die Aussetzung initiiert hat:

  • Die SEC setzt den Handel aus
  • Die Börse setzt den Handel aus

In den meisten Fällen werden Aussetzungen von den Börsen selbst initiiert. Die Gründe dafür sind facettenreich: Verstöße gegen Listing-Bedingungen, Verstöße gegen Handelssegmentspezifische Anforderungen oder Nichtnachkommen von Publizitätspflichten. Der am meisten zu beobachtende Grund sind anstehende Unternehmensnachrichten. Im folgenden Abschnitt werde ich die Gründe detaillierter darstellen.
 

Exkurs: Regelung deutscher Börsen

 

In Deutschland kann eine Börse den Handel von Wertpapieren

  • aussetzen, wenn ein ordnungsgemäßer Börsenhandel zeitweilig gefährdet oder wenn dies zum Schutz des Publikums geboten scheint
  • einstellen, wenn ein ordnungsgemäßer Börsenhandel nicht mehr gewährleistet scheint
  • unterbrechen, wenn dies aus technischen Gründen oder zur Vermeidung sonstiger Gefährdungen der Funktionsfähigkeit des Börsenhandels erforderlich ist

Eine "normale Handelsaussetzung" dient in erster Linie dem Schutz der Investoren bzw. der Anlegerschaft. Die Gründe können eine veränderte Informations- und damit einhergehende Investitionsgrundlage wie beispielsweise Kapitalveränderungen oder eine bevorstehende wichtige Information / Pflichtmitteilung (Quartalszahlen, Konkursanträge, Fusionen o.ä.) die einen erheblichen Einfluss auf den Kurs haben kann. Die sensiblen Informationen werden den Börsen und Aufsichtsorganen vor Veröffentlichung zur Verfügung gestellt, um gegebenenfalls den Handel auszusetzen. Technisch heißt das, dass alle im Orderbestand der Börse befindlichen Aufträge bei einem solchen Vorgang gelöscht werden, um Investoren die Chance zu geben, sich aufgrund der geänderten Informationslage neu zu positionieren.

Regelung SEC

 

Die SEC hat die Möglichkeit Aktien für bis zu 10 Handelstage vom Börsenhandel auszuschließen. Die Handelsaussetzung bleibt immer bis 23.59 Uhr des zehnten Handelstages nach der Ankündigung der Aktion bestehen. (Bis vor kurzem konnte die SEC Aussetzungen verlängern - mittlerweile kann sie dies nur ein zweites Mal tun, wenn sie einen anderen Grund für eine Aussetzung findet; so wie man vor Gericht auch immer nur einmal wegen der gleichen Sache angeklagt werden kann). Weiterführende Infos hier

 

Unter welchen Voraussetzungen kann die SEC Aktien vom Handel aussetzen?

Die SEC wird den Handel für gewöhnlich dann anhalten, wenn dies zum Schutz des Publikums geboten scheint.

Konkret bedeutet dies:

  • Wenn ein Unternehmen seinen Berichtspflichten nicht oder nicht termingerecht nachkommt oder es augenscheinlich unangemessene Informationen verbreitet
  • Wenn die Richtigkeit der öffentlich verfügbaren Informationen, Unternehmensmeldungen-, mitteilungen und Berichte, das operative Geschäft, die finanzielle Verfassung oder diverse Transaktionen in Frage gestellt werden
  • Wenn ein Verdacht auf Insidergeschäfte, Marktmanipulation vorliegt oder es Probleme mit der Abwicklung/des Settlements der Aktie gibt

In der Regel weist die SEC Unternehmen auf deren Versäumnisse hin bevor sie Maßnahmen trifft; werden diese jedoch ignoriert, kann der Handel mit Aktien des Unternehmens ohne vorherige Ankündigung eingestellt werden. Zur gleichen Zeit wird die SEC ein Verwaltungsverfahren einleiten, um deren Listing zu widerrufen. Das Unternehmen hat zehn Tage Zeit, um ihr Versäumnis zu heilen. Tut sie dies nicht, wird deren Zulassung widerrufen und deren Ticker gelöscht.

Die Investoren bleiben zwar auch weiterhin Aktionäre, sehen sich aber dem Problem gegenüber, dass es keinen öffentlichen Markt mehr gibt, mit all seinen negativen Implikationen. Eine von der SEC initiierte Handelsaussetzung “basically ruins the market for that stock," sagt Thomas Sporkin, ein ehemaliger SEC-Mitarbeiter. “It’s going to be virtually impossible for brokers to get near a company that’s been suspended … and so, there’s no liquid market in that security anymore."

Aussetzungen aufgrund Verstößen gegen einschlägige Gesetze oder Bestimmungen sind weitaus dramatischer einzustufen, als Aussetzungen aufgrund diverser Versäumnispflichten, da es sich bei den "Versäumern" mehrheitlich um "tote" Unternehmen, also um reine Börsenmäntel handelt. Im Gegensatz dazu, handelt es sich bei Unternehmen, bei denen ein Betrugsverdacht vorliegt, i.d.R. um sehr aktive, "echte" Unternehmen.

Eine nähere Erläuterung des Aussetzungsgrundes kann man auf der auf der Website der SEC einsehen. Die Erklärungen sind jedoch sehr vage formuliert und bewusst offen gehalten, da sie natürlich keine Einblicke in laufende Ermittlungen preisgibt.

Nachfolgend einige Beispiele von SEC-Wordings:

  • The Commission temporarily suspended trading in the securities of XXX because of questions that have been raised about the accuracy and adequacy of publicly disseminated information concerning, among other things, the company’s business operations and assets.
  • The Commission temporarily suspended trading in the securities of XXX because of questions that have been raised about the accuracy and adequacy of information in the marketplace and potentially manipulative transactions in XXX common stock
  • The Commission temporarily suspended trading in the securities of XXX because of questions regarding the accuracy of assertions by XXX and by others, in filings and disclosures made by XXX on OTC Link (previously “Pink Sheets”) operated by OTC Markets Group. Inc. and press releases to investors concerning, among other things: (1) the company’s assets; (2) the company’s revenues; (3) the company’s financial statements; (4) the company’s business transactions; and (5) the company’s current financial condition.

 

Was passiert nach den 10 Tagen? Wird der Handel automatisch wieder aufgenommen?

Dies hängt vom Handelsplatz ab.

  • Der Handel von Aktien, die vor der Aussetzung im OTC-Handel gehandelt wurden (Bulletin Board, OTC Link (f/k/a Pink Sheets), wird nicht automatisch nach dieser 10-Tages-Frist wieder aufgenommen. Bevor ein Market-Maker die Quotierung wieder aufnimmt, muss er gemäß Finra Rule 6432 / Rule 15c2-11 sicherstellen, dass die dort aufgeführten Voraussetzungen erfüllt sein müssen.
  • Der Handel von Aktien, die vor Aussetzung an einer öffentlich-rechtlichen Wertpapierbörse gehandelt wurden, wird nach der 10-Tages-Frist automatisch wieder aufgenommen

Während der Aussetzung geht die Aktie in den Grey Market über. In der Regel geschieht dies unmittelbar nachdem die Maßnahme ergriffen wurde - die Handelsplatz-Änderung kann man unter www.otc-markets.de einsehen.

Beispiel Growlife (PHOT):

Grey Market – was heisst das?

 

Im Grey Market sind Market-Maker nicht mehr in der Lage, Taxen zu publizieren und somit einen liquiden und transparenten Markt sicherzustellen. Sie können zwar Orders von Handelsteilnehmern weiterleiten, sind jedoch nicht dazu verpflichtet die Aufträge auch auszuführen. Es kommt also nur zu Preisen, sollten sich mehrere Aufträge matchen.

Um dem Grey Market zu entfliehen und wieder normal gehandelt werden zu können, muss das Unternehmen einen Market Maker finden der sich dazu bereit erklärt, das 211er Formular zu reaktivieren, um die Einhaltung der Regel 15c2-11 wieder zu heilen.

Das Problem besteht jedoch darin, dass ein Market-Maker dafür haftbar ist. Aus diesem Grund sind sie in der Regel nicht dazu bereit für ein von der SEC ausgesetzten Unternehmen zu bürgen, es sei denn sie haben gute Gründe anzunehmen, dass von Seiten die SEC keine weiteren Zwangsmaßnahmen folgen werden. Nähere Informationen hierzu siehe auch hier


Was passiert bei Wiederaufnahme des Handels?

 

Der erste Kurs nach Wiederaufnahme des Handels ist in der Regel ziemlich bitter. Durch unlimitierte Verkaufsorders oder Stopps sind Abschläge von 50%- 80% und extreme Volatilitäten keine Seltenheit. Man sollte abwarten, wie sich der Kurs nach der Eröffnung entwickelt. Wurde der Titel vor der Aussetzung sehr liquide gehandelt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Market-Maker aufgrund ihrer Funktion als Liquiditätsspender noch offene Shortpositionen haben, die schnellstens glattgestellt werden müssen. Dies bedingt einen Dead Cat Bounce oder Shortsqueeze, den man zum Ausstieg nutzen kann.

Beispiel Growlife (PHOT): Am 10.04.2014 setzt die SEC Growlife Inc. mit folgender Begründung vom Handel aus: “questions that have been raised about the accuracy and adequacy of information in the marketplace and potentially manipulative transactions in PHOT's common stock.” QuelleOTCMarkets.com. kann man entnehmen, dass der Executive Vice President Robert Hunt seit dem 3. April mehr als 500.000 Aktien verkaufte.

Letzter Kurs vor Aussetzung = 0,502$ Erster Kurs nach Wiederaufnahme des Handels = 0,12$. Dies entspricht einem Minus von 76%! Hier ein neues Statement vom GrowLife-Chef

Der Graumarkt bringt zudem weitere Probleme mit sich: Sie handeln blind, da die Orderbuchtiefe am Grey Market nicht einsehbar ist; das einzige woran man sich orientieren kann sind die Preisniveaus der ausgeführten Geschäfte selbst.

 

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