RISIKO MARIHUANA-AKTIEN

Risiko Marihuana-Aktien

Nach spannenden 2 Jahren intensiver Recherche und Beobachtung des Marihuana-Aktienmarktes will ich hier eine Zusammenfassung meiner persönlichen Meinung und Einschätzung zu Investments in Aktien dieser noch so jungen Branche darstellen.

Als ich mit meinen Recherchen anfing existierten am Markt keine 30 Aktien. Googelte man „Cannabis + Aktien“  fand man wenig bis gar keine deutschsprachigen Artikel diesbezüglich.  Erst gegen Ende 2013 / Anfang 2014 sprangen die ersten Medien mit ihrer Berichterstattung auf den amerikanischen Cannabis-Aktienhype auf.

Ich habe viele der von mir gefundenen Artikel der Einfachheit halber hier zusammengetragen: Deutschsprachige Presseartikel

Die meisten Artikel erinnerten mich allein schon von ihrem Wording stark an die Zeiten des „Neuen Marktes“ – durch die Bank weg malten die Medien rosige  Luftschlösser, stellten schier unendliche Gewinnpotenziale- und chancen in Aussicht, die Risiken wurden nur beiläufig angesprochen. 

Beispiele:

Dies ließ mich aufhorchen.

Aufgrund der augenscheinlichen Wiederholung der damaligen DotCom-Blase (jetzt PotBong-Blase) fühlte ich mich dazu veranlasst meine Seite www.marihuana-aktien.de ins Leben zu rufen, um  „Neulinge“ vor solchen Hypes zu warnen und aufzuklären. Ich wollte Interessierte auf die Risiken dieses  „Neuen Marktes“ aufmerksam machen, um sie evtl. vor Schäden  durch Unkenntnisse und Gier zu bewahren. Ich möchte nachfolgend zusammenfassend die immensen Risiken von Marihuana-Aktien beleuchten:

Der amerikanische Marihuana-Markt

 

             Übersicht Legalisierung von Hobby-Marihuana                   Übersicht Legalisierung von medizinischen Marihuana

Eine der wohl größten Unbekannten ist die in den Medien kursierende Marktgröße. Statistische Daten zu Absatz-/Nachfragemengen, den tatsächlichen Preisen oder Konsummengen basieren mehrheitlich, aufgrund mangelnder (historischer) Daten, auf annahmegestützten Modellen und Schätzungen. Die im Netz auffindbaren Schätzungen gehen sehr weit auseinander:

Ein jüngster Report der Green Wave Advisors (GreenWave_Report_ES.pdf (833860)) spricht von möglichen Einzelhandelsumsätzen in Höhe von 35 Mrd. US-$ im Jahre 2020, sollten alle 50 Staaten Marihuana gänzlich legalisieren. Nerdwallet  schätzt den Markt indes auf lediglich 14 Mrd. US-$. (Cannabis Cash vom 22.10.2014: How Much Money Could your State Make from Marijuana Legalisation?)  Zieht man andere Datenquellen heran, landet man irgendwo darüber, dazwischen oder gar darunter.

Welche Daten nun die korrekten sind, kann keiner sagen, da alle Schätzungen auf den verschiedensten Annahmen beruhen.

Diese Annahmen sind u.a.:

  • Die tatsächlichen Konsumgewohnheiten
  • Die Anzahl der tatsächlichen Cannabis-Nutzer
  • Die Häufigkeit und Menge des individuellen Konsums
  • Der Marktpreis

Es wird u.a auf statistische Erhebungen von Datenlieferanten wie dem U.S. Department of Health and Human Services (HHS), Green Wave Advisors, oder Rand Corp referenziertDa es sich jedoch nach wie vor auf Bundesebene um eine illegale Substanz handelt, tun sich die meisten wohl schwer sich bei Umfragen tatsächlich als “Kiffer” zu outen – all diese „offiziell“ erhobenen Daten sind demnach äußerst fragil und fragwürdig. U.a. wird nicht zudem beachtet, dass bspwe. 80 % der Nachfrage von 20% der Nutzer kommen (Heavy-User) siehe (www.rand.org).

Diese Zahlen vermitteln isoliert betrachtet den Eindruck eines riesigen Potenzials und ungeahnter Chancen. Jedoch findet ein maßgeblicher Umstand kaum Beachtung bei den vielen „positiven“ Schätzungen bzw. Analysen:

Der Staat hat seine Finger im Spiel!

In einer freien Marktwirtschaft würden diese positiven Schätzungen durchaus Sinn ergeben und Lust auf mehr machen. Der noch junge Cannabismarkt ist jedoch alles andere als ein freier Wettbewerb. Der Staat ist maßgeblich am Wachstum des Wirtschaftszweigs und dem Absatzvolumen beteiligt indem er den Ordnungsrahmen setzt und regulierend in sowohl die Absatz-bzw. produktionsmengen als auch indirekt über Steuern in den Preismechanismus eingreift.  Und immer wo der Staat seine Hände im Spiel hat, entstehen negative Effekte entgegen einem freien Marktspiel. Die Absatzmengen können nicht effizient allokiert werden, der Preis entsteht nicht aufgrund der tatsächlichen Angebot/- Nachfragesituation. Auch die durch den erheblichen bürokratischen Aufwand entstehenden Kosten stehen einem effizienten Markt entgegen.  Zudem kommt immer die Problematik der Beständigkeit geltender GesetzeDenn wer kann heute sagen, ob die Legalisierung weiter von statten geht oder gar aufrecht erhalten bleibt, sollten sich die politischen Kräfte verschieben. Zur Erinnerung: Auf Bundesebene handelt es sich auch in Amerika nach wie vor um eine verbotene Substanz!

Konkurrenz vom Schwarzmarkt!

Auch unbeachtet wird der deutlich unterschätzte, seit Jahrzehnten etablierte,  Schwarzmarkt. Klar - die Bundesstaaten, die sich für eine Legalisierung aussprachen wollten ja u.a. gerade diesen zum Erliegen bringen. Die Absatzzahlen am Schwarzmarkt dürften schätzungsweise nachgeben. Allerdings kann man aber auch heute davon ausgehen, dass sich nur die wenigsten Konsumenten bei staatlichen Programmen registrieren, geschweigedenn in offiziellen Headshops ihr Weed beziehen werden, sollte der Preis dort bei gleicher Qualität höher als bei dem „altbewährten“ Dealer seines Vertrauens sein. "Denn während Anbau und Produktion in den USA teuer und arbeitsintensiv sind, können Produzenten in Südamerika zu niedrigeren Lohnkosten anbauen. Die Freiland-Anbauer aus dem Süden dominieren den Großteil des illegalen Cannabis-Marktes in den USA, der im Jahr rund 40 Milliarden Dollar umsetzt. Selbst wenn der Konsum in den USA noch weiter legalisiert wird, dürften viele auf den günstigeren Schwarzmarkt ausweichen. Auch, weil Städte wie Denver Steuern von bis zu 25 Prozent auf Marihuana-Produkte erheben." (Quelle)

Risiken eines neuen Marktsegments

Wie so oft schon am Aktienmarkt gesehen, ziehen v.a. augenscheinlich lukrative neue Geschäftsfelder oder Börsenhypes die üblichen Verdächtigen, hier und da sogar einschlägig bekannte Aktienmanipulateure, an.  Viele der hier aufgezeigten Unternehmen (beispiel-aktienuberblick/) sind m.E. und auch teilweise bewiesenermaßen klassische Pump&Dump-Werte. (Bsp. MedBox: Der Fall MedBox (MDBX) / Boom bei Marihuana-Penny-Aktien von "Scharlatanen" durchzogen)

Man erkennt diese u.a. daran, dass es sich um Unternehmen handelt, die ihr Geschäftsfeld wie ein Fähnchen im Wind ausrichten: Man richtet sein Geschäftsfeld stets nach dem Hype aus, der aktuell en vogue an der Börse ist. Beispiele aus der Vergangenheit sind, um nur einige zu nennen: Solar, Erneuerbare Energien, Dauerbrenner Pharama, Ölsande, Seltene Erden, Explorationen, Fracking, Bitcoins und jetzt ist es eben das Thema Marihuana.

Obwohl das Geschäftsfeld und in diesem Zuge meist auch der Firmenname geändert wurde, bleibt oftmals das Management bestehen, was einen schon direkt stutzig machen sollte. Denn welches Management kann von sich behaupten, sich in all den verschiedenen Geschäftsfeldern professionell auszukennen?!

Kaum war die neue Branche geboren, warnten auch zurecht schon kurze Zeit darauf diverse Aufsichtbehörden vor Investments in diesem neuen Markt. Einige Unternehmen gerieten schnell ins Visier der Ermittlungen der SEC, es kam zu mehreren Handelsaussetzungen.

Die Gründe reichten vom Insiderverdacht bis hin zur Marktmanipulation:

Ausgesetzes Unternehmen Zeitraum SEC-Begründung
Aventura 05.03.2014-18.03.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-71647-o.pdf
Petrotech Oil & Gas 14.03.204-27.03.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-71723-o.pdf
Citadel 21.03.2014-03.04.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-71762.pdf
Advanced Cannabis Solutions 27.03.2014-09.04.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-71814.pdf
GrowLife 10.04.2014-24.04.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-71924.pdf
CannaBusinessGroup 07.05.2014-20.05.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-72113.pdf
FusonPharm 16.05.2014-30.05.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-72177-o.pdf
Alt. Energy Partners / SK3 Group 06.06.2014-19.06.2014 http://www.sec.gov/litigation/suspensions/2014/34-72337-o.pdf

Auch die FINRA gab mehrere Warnungen aus!

"Viele Aktien sind die klassischen Pump-and-Dump-Betrügereien, wo Promoter den Preis einer dünngehandelten Aktie künstlich aufblasen, selbst verkaufen und den Kurs wie eine Seifenblase platzen lassen", warnt die US-Finanzaufsicht Financial Industry Regulatory Authority (Finra). (Finra Inbox Alert—Don’t Trade on Pump-And-Dump Stock Emails / Finra Avoiding Investment Scams)

Weiterführende Infos hierzu: Handelsaussetzungen der SEC im Cannabis-Sektor ; SEC warnt vor Marihuana-Aktien und greift ein ; SEC verhaftet 4 Männer im Zusammenhang mit Marktmanipulation mehrerer Aktien, unter anderem von HEMP und PHOT (Growlife) ;  Boom bei Marihuana-Penny-Aktien – von „Scharlatanen“ durchzogenFraudsters target pot stocks Investor Alert: Marijuana-Related Investments ; SEC Be Alert When You Receive Spam E-mail or Faxes And When You See “Unsolicited Quotations” Posted for Stocks ; http://www.sltrib.com/sltrib/money/57569014-79/division-marijuana-medical-company.html.cspMarijuana stock scam warning

Risiko Handelsplatz

Oftmals notieren diese Unternehmen lediglich  am sog. Pinksheet gelistet und notieren im Pennystock-Bereich. Dieser OTC-Marktplatz ist nicht zu verwechseln mit einer öffentlich-rechtlichen, regulierten Börse! Die Listingbedingungen, Informationsweitergabeverpflichtungen und andere Folgepflichten wie div. Buchführungsaspekte sind äußerst gering bis gar nicht vorhanden – dies erzeugt Intransparenz und fördert nicht unbedingt das Vertrauen. Zudem geht mit einem Listing im OTC-Markt i.d.R. ein äußerst dünnes Handelsvolumen einher, was von der Handelbarkeit ebenso massive Risiken mit sich bringt.

Risiko Unternehmen

Fast alle auf meiner Seite aufgezeigten Unternehmen weisen keine Gewinne aus. Dies ist für eine neu entstehende Branche typisch, für den Anleger jedoch umso riskanter. Wie oben bereits angesprochen handelt es sich mehrheitlich um Unternehmen, die am Pinksheet gelistet sind und durch häufige Namens-und Geschäftsfeldwechsel gekennzeichnet sind.

Unter dem Strich kann man annehmen, dass es sich bei einem Unternehmen, das

  • sich an einem unreguliertem Handelsplatz ohne Publititätsvorschriften und geringsten bis keinen Markteintrittsbarrieren listen lässt
  • ständig seine Namen und damit einhergehend auch seine Geschäftsfelder bzw. Unternehmensausrichtung ändert –
  • das Management Bei der Neuausrichtung bestehen lässt
  • eine Ein-oder 2-Personengesellschaft ist bzw. über wenige Mitarbeiter verfügt
  • im Pennystock-Bereich gehandelt wird

wenig vertrauenserweckende Rahmenbedingungen für ein Investment aufweist. Die Risiken überwiegen in solch einer Konstellation in den meisten Fällen. Und gerade darauf sollte ein Investment fußen – auf Vertrauen in das Unternehmen.

Aus diesem Grund habe ich vor einiger Zeit meinen sog. Vertrauensbarometer entwickelt, der einen schnellen Überblick über jedes Unternehmen geben soll und die Unternehmen aus dieser Sicht vergleichbar macht.

Neben dem vorgeschalteten fundamentalen Research sollte man stets auch die historische Kursentwicklung beachten (Chartechnik). Die alleremmeisten auf meiner Seite behandelten Titel weisen eine klassische "Hundehaufen-Formation" auf. Diese sehen in etwa so aus wie das Bild links bzw. das folgende:

Eine solche Formation sind Spiegelbild für das Entstehen und Platzen einer Blase! Eine Aktie steigt von quasi Null in bislang undenkbare Höhen an und fällt wieder binnen kürzester Zeit auf das Niveau davor zurück. Nahezu alle Neuen Markt-Aktien weisen einen solchen Verlauf auf. Solch ein Chart spiegelt die immense, haltlose Übertreibung und Phanatasie einer Aktie wieder. Bsp. CannaVest

Weitere Risikoaspekte

 
 
• Das zurückgekommene Preisniveau: Auch wenn die Preise teilweise erheblich zurückgekommen sind, müssen sich die Unternehmenswerte, ausgedrückt durch deren Marktkapitalisierung, erst noch nachhaltig beweisen. Hier ist meines Erachtens teilweise noch erhebliche, gar übertriebene Phantasie im Markt, welche ein enormes Risiko auf der Unterseite darstellen könnte. Brandaktueller Artikel hirzu:Kommerzieller Marihuana-Anbau: Grasschwemme bringt Händler in Not
 
• Es werden weitere Unternehmen auf den Markt strömen: Die bisher „bekannten“ börsennotierten Unternehmen machen lediglich einen marginalen Anteil des Gesamtmarktes aus. In den kommenden Jahren werden viele private Unternehmen den Markt penetrieren, die wahrscheinlich Anlegern deutliche bessere Aussichten bieten können. Dies kann nachhaltig dazu führen, dass das Interesse an den aktuell gehypten Unternehmen versickert und sich der Handel mit diesen weiter ausdünnt.